25. März 2013
von Nina Keim
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Mentorenprogramm politischer Bildung

Dialog macht Schule (Bild: CC-NC-BY bpb)

Die politische Bildung nimmt eine zentrale Rolle in unserer Gesellschaft ein. Nur wer versteht, wie politische Entscheidungen getroffen werden, welche Auswirkungen sie für unser Zusammenleben haben und welche Rolle die Bürger dabei spielen, wird seine Rolle als autonomer und mündiger Staatsbürger annehmen können. Der demographische Wandel stellt politische Bilder insbesondere in Ballungsgebieten vor neue Herausforderungen. Es gilt, bildungsferne Zielgruppen für Politik zu begeistern und ihnen Chancen zur Teilhabe zu bieten. Dass hierzu auch neue Formate der politischen Bildung entwickelt werden müssen, scheint selbstverständlich.

Mit ihrem Mentorenprogramm politischer Bildung “Dialog macht Schule” begeben sich die Bundeszentrale für politische Bildung und die Robert Bosch Stiftung in Neuland der politischen Bildung. Das Projekt etabliert Dialoggruppen an ausgewählten Schulen in Berlin-Neukölln und Stuttgart, die über einen großen Anteil an SchülerInnen aus Einwandererfamilien verfügen. Studierende im Alter zwischen 20 und 28 übernehmen als Mentoren die Patenschaft für die Dialoggruppen und ermuntern die teilnehmenden SchülerInnen in wöchentlichen Treffen dazu, über politische Themen zu diskutieren. Neben der Beteiligung junger SchülerInnen aus Einwandererfamilien bietet gerade der Einsatz von Mentoren einen deutlichen Beitrag zur politischenBildung. Im Rahmen von umfangreichen Schulungen werden die Mentoren zu Dialogmoderatoren ausgebildet. Sie eignen sich somit wertvolle Fähigkeiten für ihr zukünftiges Berufsleben an und wachsen idealerweise zu Multiplikatoren heran.

Das Projekt zeigt, wie auch die politische Bildung gesellschaftlichen Veränderungen gerecht werden  und mit neuen Formaten den Bildungsprozess revitalisieren kann. Damit auch die heranwachsenden Generationen Lust auf eine aktive Teilhabe am politischen Prozess haben, ist diese Entwicklung unerlässlich.

PS: Für alle Studierenden in Berlin und Stuttgart: noch bis zum 28. März 2013 läuft die Ausschreibung für Mentoren.

 

9. Januar 2013
von Nina Keim
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Die Spiele sind eröffnet

Im September 2013 steht die Bundestagswahl in Deutschland an. Für das politische Tagesgeschäft bedeutet dies, politische Entscheidungen werden auf ein Minimum reduziert, da das Ringen um die Gunst der Wählerschaft in den Vordergrund rückt. Neben der Eurokrise wird die Energiewende ein zentrales Wahlkampfthema bilden. Doch auch die Netzpolitik kommt nicht zu kurz. In ihrer Lüneburger Erklärung vom 8. Januar 2013 haben Die Grünen  das Thema Bürgerrechte festgehalten. Unter dem Schlagwort “Sicherheitsbehörden, die alle schützen, sind möglich” kritisieren sie die von Schwarz-Gelb anvisierten Sicherheitsstrukturen und heben somit das Thema Vorratsdatenspeicherung zu einem Wahlkampfthema. “… (es) werden immer wieder Maßnahmen gefordert, die den Abbau unserer Bürgerrechte bedeutet, besonders im Internet. Deutschland steht immer noch die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeiche- rung bevor, wie sie CDU/CSU fordern und auch die SPD mitträgt. (S. 6)” Mit den gestern vorgestellten Berichterstatter-Entwürfen zur EU-Datenschutzverordnung könnte auch das Thema Datenschutz, zumindest am Rande des Bundestagswahlkampfs die netzpolitische Debatte prägen.

Fernab von den politischen Positionierungskämpfen der Parteien wird für Kommunikationsfanatiker vor allem der Einsatz digitaler Kommunikationstools von großem Interesse sein. Nachdem der US-Präsidentschaftswahlkampf 2012 erneut die Maßstäbe der digitalisierten politsichen Kommunikation gesetzt hat, bleibt es spannend zu sehen, inwiefern auch der Bundestagswahlkampf digitalisiert verlaufen wird.

18. Dezember 2012
von Nina Keim
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In eigener Sache: Gewinn der Bloggerchallenge

Clear morning view above Silicon Valley

Foto: CC-BY hjl on Flickr

So kurz vor Weihnachten habe ich bereits mein erstes Geschenk erhalten: Ich habe tatsächlich die Bloggerchallenge zum Nationalen IT-Gipfel gewonnen. Anfang 2013 werde ich ins Silicon Valley reisen und über das German Accelerator Program berichten. Eine Jury aus sieben fachkundigen Juroren hat die Auswahl basierend auf den veröffentlichten Blogbeiträgen im Rahmen der Bloggerchallenge getroffen. Meine Beträge können hier eingesehen werden. An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal bei meinen Co-Bloggern Janina Benz, Balazs Gal, Philipp Messerschmidt und Bernd Nussbaum bedanken. Die Challenge war in Wahrheit eine Teamarbeit und es hat mich gefreut, mit Euch zusammen über den IT-Gipfel 2012 zu berichten.

20. November 2012
von Nina Keim
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Bloggerchallenge zum IT-Gipfel

 

“Vom Start-up zur Global Brand!?” lautet das Thema der Bloggerchallenge des IT-Gipfels 2012. Fünf Bloggerinnen und Blogger berichten gemeinsam vom IT-Gipfel 2012 in Essen sowie einige Wochen davor und danach. Als eine von insgesamt fünf BloggerInnen darf ich an der Challenge teilnehmen. Unsere Beiträge werden in einem Blog gesammelt und von einer Jury aus Vertretern der deutschen IT- und Start-up-Szene bewertet. Der / die Gewinner/-in fliegt für fünf Tage ins Silicon Valley, Kalifornien, und berichtet von dort vom German Silicon Valley Accelerator -Programm.

In meinen Blogbeiträgen blicke ich auf die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Startups, Herausforderungen der digitalen Gesellschaft wie Datenschutz und Datensicherheit und werfe einen Blick auf die Unterschiede zwischen der Deutschen und Amerikanischen Gründerkultur. Interesse die Beiträge zu lesen? Na dann los! Hier geht es zu den Posts:

 

8. August 2012
von Nina Keim
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Kommunikation im Wandel: Geschichten erzählen statt Argumente rezitieren

Ende Juli hatte ich die Möglichkeit, an einem viertägigen Workshop zum Thema „Digital Storytelling“ teilzunehmen. Unter Digital Storytelling ist allgemein das bewusst subjektive Erzählen von Geschichten in einem Kurzfilm zu verstehen. Gekoppelt mit einem thematischen Schwerpunkt können so selbst komplexe Politikfelder in personalisierte Erlebnisberichte herunter gebrochen und für eine breite Zielgruppe verständlich dargestellt werden.

 

Eckwerte für eine gute digitale Geschichte

Eckwerte für eine gute digitale Geschichte

Geschichten von Bürgern für Bürger

Digitale Geschichten entfalten ihr volles Wirkungspotential durch die geschickte Kombination von Bild, Ton, Erzählstrukturen und Stimmen, die in ihrer Gesamtheit Charaktere, Situationen, Erfahrungen und Erlebnisse aufleben lassen. Nicht zuletzt durch den Wandel der Bürger vom Medien-Konsumenten zum Medien-Produzenten ist das Digital Storytelling zu einem wahrhaften Bürgermedium geworden. Die Preise für das notwendige technische Equipment sind in den vergangenen Jahren stark gesunken. Zudem bieten Smartphones, Flipcams und andere Kompaktaufnahmegeräte die Möglichkeit, eigene Filme mit einem Minimalbudget und Minimalaufwand im eigenen Wohnzimmer zu produzieren.

In den Erzählmodus wechseln

Organisiert vom Grimme-Institut im Rahmen des NRW denkt nach(haltig) Projekts konnten zehn Teilnehmer die Grundlagen der digitalen Erzählkunst anhand der Produktion eines eigenen Kurzfilms zum Themenkomplex Nachhaltigkeit erlernen. Der Workshop war in fünf Blöcke aufgeteilt, welche chronologisch betrachtet ebenfalls den Produktionsprozess einer digitalen Geschichte abbilden.

Ganz zu Beginn standen das Briefing und der Story Circle. In dieser Phase des Workshops schaffte Trainer Steve Bellis die Grundlagen für die Produktion unserer Videos. Wir erfuhren, was genau unter Digital Storytelling zu verstehen ist, wer die Mitbegründer bzw. einflussreichen Storyteller weltweit sind und wie wir selbst in einen „Erzählmodus“ wechseln.  Für mich hieß das in erster Linie, nicht mehr in Argumenten und Fakten zu denken, sondern in Geschichten, die diese Argumente eher subtil tragen.

Im Story Circle haben wir anhand von kleinen Übungen und Spielen gelernt, ein Gefühl für das Geschichtenerzählen zu entwickeln. Hier spielt vor allem „die Geschichte hinter der Geschichte“ eine besondere Rolle. Jedes Foto, jedes Medium gibt eine Geschichte als solches bereits preis, doch die interessanten und bewegenden Geschichten sind auf den ersten Blick verborgen.

Nachhaltigkeit ein Gesicht geben

Für unsere eigene digitale Geschichte ging es im Story Circle darum, das komplexe Thema der Nachhaltigkeit in eine persönliche Geschichte zu überführen und somit der Nachhaltigkeit ein Gesicht zu geben. Ich habe mich für das Thema Lebensmittelverschwendung entschieden. Inspiriert von der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, einer aktuellen Kampagne des Bundesverbraucherministeriums und einem Fraktionsbeschluss der grünen Bundestagsfraktion war es mein Ziel, das Thema Lebensmittelverschwendung auf eine persönliche Perspektive herunter zu brechen, die verdeutlicht, dass jeder einzelne sein Bewusstsein schärfen sollte.

In der zweiten Phase des Workshops galt es dann, die Idee der Geschichte in ein Script von ca. 250 Worten zu überführen. Kurze Sätze, eine aktivierende Sprache und vor allem ein persönlicher Bezug (also viel “ich” und wenig “man”) sollte vermittelt werden. Hier ist mein Script:

I was sitting at lunch the other day, once again struggling to finish up the large portion I was served. Although feeling bad about it, I had to send the rest back knowing it would end up in the restaurant’s trash can. As a full time employee I regularly go out for lunch but most of the time I just cannot finish the plate. I started wondering. If I were to go out for lunch five days a week, 52 weeks per year, that makes 260 meals per year possibly ending up as unnecessary trash. Statistics suggest that roughly one-third of food produced for human consumption is lost or wasted globally. That’s 1.3 billion tons per year. In industrialized countries like Germany, food gets lost when production exceeds demands. That is just what happens during my lunch break. Although eating delicious food, the prepared meal simply beyond my needs. I knew something had to change. I have started asking for doggie bags to take the leftovers home with me and some restaurants even offer half-size portions at a reduced price – a convenient solution for everyone. After all, it is just a matter of becoming aware of our behavior and valuing the food we are consuming.

Als nächster Schritt stand die Tonaufnahme auf dem Programm, um die Tonspur für das zu erstellende Video möglichst schnell fertig zu stellen und anschließend mit dem Storyboarding zu beginnen. In einem Storyboard wird für jeden Satz des fertigen Scripts ein Bild oder Video festgelegt. In einer zweispaltigen Tabelle zusammengefasst entsteht somit die Grundlage für den letzten Teil des Workshops, die Filmbearbeitung am Computer (Editing).

Nach vier Tagen voll mit neuen Eindrücken und interessanten Gesprächen hatte jeder Workshopteilnehmer ein eigenes Video produziert. Sicherlich wird der eine oder andere (zu denen ich mich auch zähle) noch ein bisschen an den Feinheiten des Videos arbeiten, aber alles in allem sind wunderbare Kurzgeschichten zu den unterschiedlichsten Themenbereichen – von Internetsucht über Einwanderung bis hin zu Technikmüll – entstanden. Jede einzelne Geschichte erzählt auf eine ganz individuelle Weise, was Nachhaltigkeit bedeutet.

Geschichten erzählen statt Fakten rezitieren

Für mich war der Workshop im wahrsten Sinne ein Aha-Erlebnis. Selbst für jemanden, der sich beruflich mit Kommunikation befasst, war doch ein bewusstes Umdenken nötig, um in Geschichten und nicht in handfesten Fakten zu denken. Ich erkenne aber den eindeutigen Mehrwert: Über Geschichten werden Menschen erreicht. Jeder kann einen persönlichen Bezug zu der Handlung herstellen und wird idealer Weise motiviert, sich mit der Thematik auseinander zu setzen und sein Verhalten zu überdenken.

Schaut Euch doch einmal mein Video an und sagt mir, ob es Euch beim nächsten Mittagessen zum Nachdenken angeregt hat. Fällt es Euch auch ein bisschen schwerer, das gute Essen weg zuschmeißen? Wie geht ihr mit dieser Situation um?

 

 

 

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Weiterführende Links:

Auf dem Projektblog von NRW denkt nach(haltig) ist eine umfangreiche Dokumentation zum Workshop zu finden

Das Projekt DeTales wird vom Grimme-Institut mit weiteren EU-Partnern durchgeführt

In Cardiff findet jedes Jahr ein Digital Storytelling Festival statt

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7. August 2012
von Nina Keim
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Fehldiagnose Politikverdrossenheit

Seit einiger Zeit wird der deutschen Jugend eine Politikverdrossenheit diagnostiziert. Die sinkende Wahlbeteiligung und die stagnierenden Mitgliederzahlen in den Parteien gelten allgemein als Indizien für diesen Befund. In einem auf jetzt.de veröffentlichten Interview zeichnet sich aber ein ganz anderes Bild ab.

In einer Gesprächsrunde mit der Redaktion gaben Vertreter verschiedener Jugendorganisationen an, dass die heutigen Jugendlichen überhaupt nicht politikverdrossen sein. Zwar mag das parteipolitische Engagement zurück gehen, dafür sind Jugendliche oftmals in ihren eigenen Kommunen aktiv und setzen sich für Werte und Themen ein.  Ivonne Everhartz vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend unterscheidet ganz klar zwischen diesen zwei Dimensionen: “Wenn man die Jugendlichen aber mal fragt, was sie in ihrer Freizeit machen, dann kommt ganz oft raus, dass sie etwas für eine Gruppe in ihrem Stadtteil machen. Ich glaube, dass sich viele Jugendliche politisch engagieren, das aber selbst niemals so nennen.” Lasse Becker von den JuLis sieht Handlungsbedarf vor allem auf der Anbieterseite:  “Man muss die Strukturen so verändern, dass man einen leichteren Einstieg findet … Man muss sich punktuell engagieren können.”

Eine Herausforderung in unserer Gesellschaft liegt darin, das Bewusstsein für politisches Engagement zu schärfen. Für viele geht politisches Engagement stets mit einem parteipolitischen Engagement einher – eine eindeutige Fehldiagnose. Es muss umgedacht werden, denn letzten Endes sind es die Inhalte und Themen, die Menschen vereinen und motivieren. Ein parteipolitscher Kontext kann den Rahmen dafür vorgeben, kann aber zugleich auch als eine Art “vordefiniertes Attribut” Hürden für eine inhaltsgetriebene Zusammenarbeit bilden. Ganz gleich für welchen Weg man sich entscheidet, wichtig ist doch, dass man sich über die Zielsetzung einig ist und sich aktiv dafür einsetzt, etwas zu bewegen.

Den gesamten Artikel auf jetzt.de gibt es hier.

 

 

4. Juli 2012
von Nina Keim
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Gründe für das politische Engagement junger Menschen

Auf dem Graphitti-Blog habe ich heute eine wunderbare Grafik entdeckt, die sich rund um das politische Engagement junger Menschen dreht. Das viel zitierte “Piraten-Phänomen” ist hier einmal graphisch dargestellt. Auch wenn gerade die digitalen Themen vorwiegend junge Leute zum politischen Engagement motivieren, glaube (und hoffe) ich doch, dass die zu Grunde liegenden Daten nicht ganz repräsentativ sind. Ich kenne genug unheimlich motivierte junge Leute, die sich auch aus anderen Beweggründen engagieren und etwas bewegen wollen.

Alle Grafiken von  Graphitti-blog.

14. Juni 2012
von Nina Keim
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Der Kampf um Identität

CC-NC-ND-BY Zorah Mari Bauer, Mobile Art & Lifestyle Blog

Es ist vermutlich nicht leicht, als Halbschwester des Amerikanischen Präsidenten Barack Obama als eigenständige Person wahrgenommen zu werden. Allein der Nachname lässt auf eine Verwandtschaft schließen. Doch Dr. Auma Obama will über ihre eigenen Projekte identifiziert werden. Mit ihrem Projekt Sauti Kuu (Swahili für „starke Stimmen“) möchte sie Kindern und Jugendlichen dazu verhelfen, trotz aller schwierigen Herausforderungen das eigene Leben in die Hand zu nehmen und mitzubestimmen, was daraus wird.

Am vergangenen Montag lud das Berliner Büro von Google zu einer Diskussionsveranstaltung von Frauen für Frauen ein. Die Veranstaltungsreihe widmet sich Frauen, die Ihre Innovations- und Führungskraft in unterschiedlichsten Bereichen eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben. Den Auftakt machte Dr. Auma Obama.

Auma Obama berichtet von ihrem eigenen Kampf um Identität als Frau. Sie schildert, wie sie sich als einziges Mädchen unter lauter Brüdern und einem patriarchalen Vater durchsetzen musste. Bereits als junges Mädchen forderte sie Gleichberechtigung und hinterfragte viele Entscheidungen. Als ihre Vorliebe für deutsche Autoren wie Heinrich Böll und Wolfgang Borchert sie schließlich 1980 nach Deutschland führte, hat das neue und zugleich andere kulturelle Umfeld sie vor eine neue Herausforderung gestellt: Den Kampf um Identität als „Afrikanerin“.

Um eine Plattform für die eigene Identität zu finden, ist ein Selbstwertgefühl unabdingbar, so Obama. Vielen Leute fehle es an Wertschätzung für und Glaube an sich selbst. Nur über ein gesundes Selbstwertgefühl schafft man es, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und dessen Verlauf nicht durch andere prägen zu lassen. Hier setzt auch Sauti Kuu an. Die Organisation unterstützt junge Afrikaner in Kenia dabei, aus der „Opferrolle“ auszubrechen, die eigene Persönlichkeit zu entfalten und sich langfristig, durch ökonomische Selbstständigkeit aus dem Kreislauf der Armut zu befreien.

Auma Obama ist es wichtig zwischen dem überholten Konzept der Entwicklungshilfe und dem von ihr verwendeten Ansatz der Entwicklungszusammenarbeit zu unterscheiden. Der traditionelle Ansatz der Entwicklungshilfe unterstütze die Zielgruppe nicht dabei, die eigene Zukunft selbst anzupacken und an Veränderungsprozessen mitzuwirken. Auch sieht sie Deutschland und die USA in der Pflicht. „Es gibt keine Entschuldigung dafür, dass man nicht weiß, was auf der Welt passiert“, sagt sie. Das Internet ermögliche es jedem, ganz gleich von dem Wohnort, sich über die Lebenssituation und politische Lage in anderen Ländern zu informieren. Zugleich aber müssten auch die afrikanischen Länder die Chancen des Internets nutzen und Informationen breit streuen.

Dr. Auma Obama ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie mit viel Engagement und einer persönlichen Überzeugung etwas Inspirierendes geleistet werden kann. Auma Obama weiß aus ihrer eigenen Biographie und ihrem Kampf um Identität ganz genau, wie man mit dem „Anderssein“ am besten umgeht und daraus auch noch einen Vorteil für die eigene Persönlichkeit schlägt. Auch wenn sie es in ihrem Vortrag nicht direkt angesprochen hat, so befindet sie sich auch aktuell in einem Kampf um Identität – im Kampf um Identität als Auma Obama. Sie möchte nicht als die große Halbschwester von Barack Obama sondern als eigenständige Person mit eigenen Zielen wahrgenommen werden. Die Verlockung war groß, sie zum aktuellen Präsidentschaftswahlkampf ihres Bruders zu befragen, getan hat es dennoch keiner.

30. Mai 2012
von Nina Keim
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Der Wert unserer Daten im Internet

In der digitalen Gesellschaft ist die Wirtschaft durch neue Technologien und Geschäftsmodelle täglich auf Daten ihrer Kunden angewiesen. Insbesondere um kostenlose Dienstleistungen anbieten zu können, werden Nutzerdaten gespeichert und letztendlich zu Werbezwecken weiterverkauft bzw. weiter verwertet. Was also als “kostenloses” Account getarnt ist, wird letzten Endes mit der Preisgabe persönlicher Daten bezahlt. Sicherlich gehört das Teilen persönlicher Informationen zu einem gewissen Maß mit zum Leben in einer digitalen Gesellscahft dazu. Der Datenschutz darf aber dennoch nicht zu kurz kommen. Datenschutzstandards bilden ein wichtigen Schutz für die Nutzer. Aber auch die Nutzer selbst sind gefragt, sich zu informieren und müssen sich die nötigen Fähigkeiten aneignen, um sich kompetent und sicher im Internet zu bewegen.

Die TU Darmstadt hat sich in Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk in einer empirischen Studie dem Thema persönliche Daten im Internet gewidmet. Die Forscher gehen unter anderem der Frage nach, wie Nutzer mit Ihren eigenen Daten im Internet umgehen und ob sie sozialen Netzwerken gegenüber eher wohlwollend oder eher skeptisch eingestellt sind. Erste ausgewählte Ergebnisse der Studie sind in folgendem PDF dargestellt. Wer stattdessen, die Ergebnisse visuell aufbereitet noch etwas leichter verdauen möchte, dem sei folgende Infografik empfohlen:

 

27. April 2012
von Nina Keim
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Social Media für das Auswärtige Amt

Mit dem Beginn des digitalen Zeitalters fiel auch der Startschuss für neue Kommunikationsparadigmen und Entscheidungsprozesse in der Politik. Barack Obama hat es mit seiner Wahlkampagne 2008 vorgemacht. Aber auch für die Außenpolitik und klassische Diplomatie gewinnen digitale Medien zunehmend an Bedeutung. Vorreiter sind erneut die Amerikaner, die sich unter Außenministerin Hillary Clinton das Thema “digital Diplomacy” als Nukleus ihrer Arbeit auserkoren haben.  In einem Interview mit dem Mitarbeitermagazin des Auswärtigen Amts “internAA” habe ich diskutiert, inwiefern auch das Auswärtige Amt Soziale Medien einsetzen sollte.  Viel Spaß beim Lesen!

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19. April 2012
von Nina Keim
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Kollaborative Filmproduktion

Zweifelsohne ist “das Kollektiv” aktuell im Trend. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine Publikation über Schwarmintelligenz, Crowdsourcing oder partizipative Verfahren berichtet. Das Grundgerüst der Weisheit der Massen ist schnell erklärt: Anhand verschiedener Methoden wird die kollektive Intelligenz der Masse aktiviert. Anschließend erarbeitet die Gruppe in einem kollaborativen Prozess die Ergebnisse.

Das Beispiel des Science-Fiction Films “Iron Sky” zeigt beeindruckend, dass auch traditionell geschlossene Prozesse, wie etwa eine Filmproduktion, aufgebrochen und für die Masse geöffnent werden können. Während klassische Filmproduktionen von Filmemachern für die Zuschauer produziert werden, konnten Interssierte sich bereits während des Entstehens des Films aktiv am Prozess beteiligen. Die Macher von Iron Sky haben die Beteiligung auf drei Ebenen zugelassen und somit neue Maßstäbe für kollaborative Filmproduktionen gesetzt.

1. Crowd Sourcing: Die Fans wurden aktiv in die Stoffentwicklung einbezogen. Dieser eher ungewöhnliche Schritt scheint aber gerade zum Aufbau einer Fangemeinde rund um den Film beigetragen zu haben. Fans konnten im Internet ihre Ideen zu dem Film kund tun.

2. Crowd Funding: Fans konnten mit einem beliebigen Betrag die Filmproduktion unterstützen. Als Gegenleistung erhielten sie z.B. exklusive Einblicke in die Produktion.

3. Crowd Investing: Die spätere Zielgruppe des Films konnte bereits während der Produktionsphase Anteile zwecks späterer Gewinnbeteiligungen erwerben.

Auch wenn der Film inhaltlich nicht jedermanns Sache ist, zeigt das Beispiel Iron Sky doch sehr deutlich, dass verschiedenste Ansätze der Beteiligung in nahezu allen Arbeitsbereichen eingeführt werden können. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass eine Bereitschaft zur Öffnung auch traditionell geschlossener Prozesse ermöglicht wird.

Wie genau der Prozess des Filmschaffens von den Machern von Iron Sky revoutioniert wurde, haben sie in einem kurzen Video zusammengefasst:

14. Februar 2012
von Nina Keim
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Direkte Kommunikation und nicht direkte Demokratie – Die Bundeskanzlerin im Interview zum Bürgerdialog

Vergangene Woche hat Bundeskanzlerin Angela Merkel im Live-Interview mit Politik-Digital.de über ihre Motivation und Zielsetzung, den 2011 gestarteten Zukunftsdialog der Bundesregierung auch unter direkter Beteiligung der Bürger zu gestalten.

Laut der Bundeskanzlerin haben neue Technologien und Medien dazu geführt, dass auf Regierungsebene die Bekanntschaft von Methoden der digitalen Bürgerbeteiligung steigt und daher auch eine größere Bereitschaft existiert, sich dieser Methoden zu bedienen. Allerdings merkt sie an, dass die digitale Bürgerbeteiligung zum jetzigen Zeitpunkt kein repräsentatives Meinungsbild liefert und somit nicht von einer „direkten Demokratie“ gesprochen werden kann. Erst wenn alle Bürger Deutschlands einen Zugang zum Internet haben und alle weiteren Schwellen zur Teilhabe eliminiert sind kann von einer Näherung an eine direkte Demokratie gesprochen werden. De facto können aktuell nicht alle 80 Mio. Deutsche an dem Dialog im Internet teilnehmen. Daher sollte eher von „direkter Kommunikation“ gesprochen werden.

Der Bürgerdialog der Bundeskanzlerin ist in einen Mehrstufenprozess aufgeteilt. In einem ersten Schritt identifizierten 120 ausgewählte Fachleute (seit Frühjahr 2011) die für sie brennenden Herarausforderungen für Deutschlands Zukunft. In einem zweiten Schritt sind nun die Bürger gefragt, ihre Vorschläge und Herausforderungen unabhängig von dem Expertenvotum einzureichen.

Eingebettet in den langfristig angelegten Zukunftsdialog der Kanzlerin sollen so Lösungsvorschläge auf drei zentrale Fragen erarbeitet werden: Wie wollen wir in Zukunft – in fünf bis zehn Jahren- zusammenleben? Wovon wollen wir in Zukunft leben? Wie wollen wir in Zukunft lernen?

Auf www.bundesregierung.de wird die Methode zum Bürgerdialog wie folgt erkläutert:

Eingereichte Vorschläge werden, sofern sie mit den Regeln des Bürgerdialogs vereinbar sind, vom Redaktionsteam freigeschaltet. Sie sind dann auf www.dialog-ueber-deutschland.de für alle sichtbar und können bis zum 15. April 2012 online kommentiert und bewertet werden. Die Absender der besten zehn Vorschläge – also diejenigen, die die meisten Stimmen der Netzgemeinde erhalten – werden am Ende des Zukunftsdialogs ins Bundeskanzleramt eingeladen. Voraussichtlich im September 2012 können sie dann mit der Bundeskanzlerin über ihre Ideen und Vorschläge sprechen. Die gleiche Einladung erhalten die Absender jener zehn Vorschläge, die von den unabhängigen Fachleuten des Expertendialogs und Mitarbeitern des Bundespressamtes nach fachlicher Prüfung als erfolgversprechend ausgewählt wurden.

Im Interview ist Bundeskanzlerin Merkel auch auf unterschiedliche Themenbereiche eingegangen, bei denen sich ein Bürgerdialog eignet. Hier ist es meines Erachtens besonders interessant, dass sie zwischen tagesaktuellen und langfristig angelegten Themenkomplexen unterscheidet. Die Bürgerbeteiligungsverfahren eignen sich vor allem bei langfristig angelegten Projekten, so Merkel. Bei tagesaktuellen Themen wie z. B, Eurokrise seien die Bürgerbeteiligung und der Bürgerdialog schwer(er) umzusetzen.

Diesen Ansatz kann ich nur zu gut unterstreichen. Die Handlungsfähigkeit der politischen Entscheidungsträger muss schließlich bei brennenden Themen gewahrt bleiben. Hier fehlen uns valide Verfahren, um Bürgerbeteiligung bei tagesaktueller Politik möglich zu machen. Zudem leben wir in einer Repräsentativen Demokratie, in der gerade zu diesem Zwecke Vertreter von der Bevölkerung gewählt werden. Gerade aber bei langfristig angelegten Projekten (z.B. Infrastrukturprojekte), die die Bürger direkt betreffen, ist die frühzeitige, ernst gemeinte und wohl organisiert und kommunizierte Bürgerbeteiligung ein wichtiger Grundbaustein, um langfristig die Zustimmung der Bürger für Projekte zu erhalten.

Das gesamte Interview mit Bundeskanzlerin Merkel ist inzwischen als Video-Mitschnitt auf You-Tube abrufbar: